Dienstag, 18. März 2014

Blogparade "Zeitvertreib"

von Kueperpunk Korhonen

Austragungsort für virtuelle Lesungen. Das Kafé KrümelKram auf Sim Kreativdorf.

Das Theaterfestival Favoriten 2014 hat zur Blogparade aufgerufen.
Das Thema: "Zeitvertreib"
Offen gestanden hat mich das zunächst nicht wirklich angesprochen. Zeitvertreib oder auch Hobby ist für mich immer ein etwas verniedlichender Begriff. Ganz besonders, wenn man über etwas schreibt, das einen großen Teil des eigenen Lebens ausmacht und eventuell auch mit sehr großer Ernsthaftigkeit, ja fast schon Professionalität betrieben wird, sich von einer echten Tätigkeit oder einem Beruf also nur insofern unterscheidet, als dass man damit nicht seinen Lebensunterhalt bestreitet.
Was mich angesprochen hat, waren allerdings die Fragen, womit man Zeit verbringt, ob Kunst dabei eine Rolle spielt und wie man mit anderen zusammen kommt.
Wir haben für uns in diesem Zusammenhang eine ungewöhnliche, aber sehr zeitgemäße Bühne gefunden, die bisher nur selten genutzt wird:
Einen großen Teil unserer frei nutzbaren Zeit verbringen wir damit, Lesungen zu organisieren oder auch Theaterstücke oder Live-Comedy oder Ausstellungen.
Allerdings nicht im realen dreidimensionalen Raum, sondern im virtuellen. Wir nutzen Virtual Reality Plattformen wie SecondLife und OpenSims, um solche Events für ein Publikum verteilt über den gesamten deutschsprachigen Raum oder sogar  den Globus anzubieten.

Virtuelles Bühnenstück DebuggingYou

In der Praxis bedeutet das für uns, Schriftsteller aus allen Literaturgenres per Mail oder sozialem Netzwerk zu kontaktieren, ihnen eine Lesung vorzuschlagen, ihnen dann bei der Installation der nötigen Software auf seinem Rechner zu helfen und sie für die Veranstaltung vorzubereiten. Das machen wir seit vier Jahren sehr intensiv und regelmäßig und mit wachsender Begeisterung.
Den „Stargast“ erleben die Zuschauer zwar nur als Pixelmännchen, die Lesung jedoch erfolgt per Headset live, und es ist tatsächlich möglich, Fragen zu stellen, oder mit dem Autor ins Gespräch zu kommen. Die Autoren selbst sagen uns immer wieder, dass ihnen diese Art des Auftritts ähnlich viel Spaß gemacht hat wie solche in der wirklichen Welt, Lampenfieber inklusive.
Das ganze Konzept haben wir natürlich in dieser Form nicht erfunden, aber wir haben den Eindruck, besonders im deutschsprachigen Raum sind wir fast die einzigen, die das Medium Cyberspace in dieser Form nutzen. Ein paar vertiefende Informationen hinter diesem Link.

Gerade den Gamern oder Social Media Fans unterstellt man ja gern, dass sie gewisse soziale Defizite auf dem Bildschirm kompensieren wollen und dabei die Kluft zwischen der realen Welt und sich selbst nur weiter aufreißen.


Autor Bernhard Giersche kurz vor seiner online Lesung.

Für uns stellt sich die Situation anders dar. Durch unser Projekt sind viele Freundschaften entstanden, die sich eben nicht nur virtuell abspielen. Autoren, die in der Nähe wohnen, laden wir auch mal nach Hause hinter unsere Computer ein, und danach isst man gemeinsam zu Abend und plaudert noch bis spät in die Nacht.
Grandios auch, wenn man auf Conventions oder Buchmessen Schriftsteller oder auch Zuhörer persönlich trifft, denen man vorher eben nur in Avatargestalt begegnet ist.
Oder umgekehrt, wenn wir Poetry Slammer, mit denen wir vorher auf der echten Bühne gestanden haben nun zu einer virtuellen Comedy-Show einladen.
Und einmal im Jahr haben wir uns angewöhnt, eine Grillfete zu veranstalten, zu der wir all jene einladen, mit denen wir an gemeinsamen virtuellen Veranstaltungen basteln,  die wir vorher nur als Autoren ihrer Blogs kannten oder die bei uns gelesen haben.
Für uns ist das ein Zeitvertreib, der es uns ermöglicht, selber direkt mit Literatur und Kunst zu tun zu haben und dabei tatsächlich ganz real neue Leute und vor allem Freunde kennen zu lernen.
Wir sind übrigens die Literaturgruppe Brennende Buchstaben, die man unter diesem Namen auch in SecondLife und in OpenSims finden kann. Alles was wir dort machen ist nicht kommerziell und der Eintritt ist grundsätzlich frei.

Und so kann eine virtuelle Lesung aussehen, in diesem Fall die, bei der Autor Uwe Laub aus seinem Thriller "Blow Out" liest. (Im Video geht es allerdings vorrangig um das Bühnenbild, deswegen ist von der Lesung nichts zu hören).

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