Montag, 5. August 2013

Künstliche Welt - Welt der Kunst

von Zauselina Rieko



Einen Artikel aus dieser Woche zu Second Life findet man auf FOCUS online. Tahssin Asfour schreibt dort auch über die Kunst- und Kulturszene. Ein, wie ich finde, bemerkenswerter Artikel, sticht er doch aus den sonst üblichen Berichten über Metaversen in der Art heraus, als dass man merkt, dass sich der Autor in SL selber umgesehen haben muss. 
http://www.focus.de/digital/gastkolumnen/asfour/3d-chats-mit-musik-als-dj-in-der-virtuellen-community_aid_1046337.html
Bei anderen Berichten zum Thema "virtuelle Welten" hat man ja meist eher den Eindruck, der Kritiker habe sich einmal 2007 in SL eingeloggt oder schreibe einfach die bereits fünfzehnte standardisierte Version einer SL-Kritik neu ab. Auch die anderen (älteren) Berichte über Second Life auf FOCUS online sind ausgewogen. 
Langsam bin ich die Berichte über den Hype 2007 oder die verschwundenen Unternehmen oder die gescheiterten Geschäftsmodelle oder den Sex mit Welpen ziemlich leid! Ein kritischer Blick auf alle Internet-Aktivitäten soll sein, denn die Demokratie darf vor dem Toren des Web nicht Halt machen, aber ein Blick, der nur Sex und Geschäftspolitik beobachtet, ist eingeengt und auch nicht demokratisch.
Es hört sich so an, als ob ich Second Life mag? Das ist gut so! Ich mag es nämlich tatsächlich. Es ist eine Plattform für Kunst und Kultur, auf der man ganz neue Wege gehen kann. Ist es nicht das Ureigenste der Kunst, neue Wege zu gehen? Ausgetretene Trampelpfade, die schon von vielen Herden breit getreten wurden, zu verlassen? Die Sicherheit des Bekannten und Gewohnten hinter sich zu lassen und neue Wege zu finden oder sogar zu erfinden? Dass Firmen Second Life verlassen haben, ist für mich nichts, dem ich eine Träne nachweine. Dass sich Kunst und Kultur in SL ausbreiten, ist ein Indikator des geistigen Niveaus seiner NutzerInnen. Diese haben entschieden, keine virtuelle Riesenwerbeplattform zu brauchen und stattdessen lieber die Demokratisierung der Kunst voran zu treiben. Vielleicht ist es ja das, was einigen Leuten nicht passt: Hier entscheiden ein paar gewöhnliche Menschen darüber, was sie für Kunst halten und machen einfach! 

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