Sonntag, 28. April 2013

Kulturszene in SL Frühjahr 2013

von Kueperpunk Korhonen


http://www.spiegel.de/netzwelt/web/3-d-welten-cloud-party-soll-das-neue-second-life-werden-a-895134.html#sp.goto.blogcomment=4300


Liebe Freunde, Veranstalter, Eventmanager, Künstler, Musiker, Performer und Vortragende in SecondLife und Opens SIMs,

ihr kennt ja unser kleines Problem mit den Mainstream-Medien.
Sobald man das Thema "virtuelle Realität" anschneidet, insbesondere, wenn es um Second Life geht, ist es fast so als würden die Damen und Herren Journalisten beide Hände auf die Ohren pressen und dann laut „Lalala, ich kann dich nicht hören“ trällern.
Heute ist einer dieser Tage. Wieder einmal hat sich ein großes deutsches Nachrichtenportal des Themas Second Life angenommen – was selten genug passiert - und  es folgt das hinlänglich bekannte Fazit:
Ist ja gar nichts los hier, alles tot, und man muss unbedingt auf eine andere virtuelle Welt ausweichen, um wieder Leben in die Bude zu bringen.
Wir von den Brennenden Buchstaben helfen ja immer gern. Anscheinend muss ein kleiner Überblick über die derzeitigen Kulturangebote her. Also was passiert eigentlich im Jahr 2013 in Second Life? Wo findet man überhaupt die Bewohner des Cyberspace?
Ist ja alles offenbar verwaist und aufgegeben worden.
Zunächst einmal: Natürlich finden wir in einer virtuellen Welt, die im Vergleich zu ihrer Nutzerzahl außergewöhnlich groß ist, nur an den Punkten Avatare, an denen gerade auch irgendeine Veranstaltung stattfindet.
Shoppingmeilen haben in der virtuellen Welt sicherlich längst nicht mehr den Zulauf wie in ihrer Frühphase. Gekauft wird aber nach wie vor: Und zwar online im Marketplace. Leerstehende Einkaufsmeilen sind also ganz bestimmt kein Indikator für ein unbelebtes Metaversum.  Es besteht keine Notwendigkeit mehr für den Bau von Läden.
Kommerzielle Aspekte interessieren uns aber auch überhaupt nicht. Wir wollen einmal schauen, was kulturell los ist in der virtuellen Welt. Ein Überblick für alle, die schon mal was darüber gelesen haben – vielleicht in den Mainstreammedien – und denen deshalb leider entgangen ist, wie viel Leben in der Szene ist. Mehr denn je würde ich behaupten.

Lesungen in SecondLife:

Oh ja, es gibt sie. Und es ist nicht etwa so, dass dort Avatare literarische Ergüsse absondern, die das Metaversum besser nie verlassen sollten, weil sie in der realen Welt eine ernsthafte Gefährdung für Kulturpublikum mit gutem Geschmack darstellen.
Die Second-Life-Kulturmacher/innen laden mit hoher Frequenz Autoren und Autorinnen aus dem First Life ohne Second-Life-Vorerfahrung zu virtuellen Lesungen ein. Man nimmt sich gern die Zeit, den Newbies beim Überwinden technischer Hürden zu helfen, damit sie vor einem interessierten Publikum aus Avataren auftreten können.
Schriftsteller, die es versuchen, sind häufig überrascht darüber, wie gut so eine Lesung funktioniert und dass sich das Publikum genauso diszipliniert verhält, wie bei einem Realauftritt. Wer jetzt argwöhnt, dass sich die Autoren, ohne es zu bemerken vor einem potemkinschen Publikum aus Pixelschaufensterpuppen wieder finden, der irrt. Im offenen Voice- und Textchat werden meistens noch eine Stunde über die Lesung hinaus Fragen an den / die Autor/in gerichtet. Die Dynamik zwischen Vortragenden und Zuhörern ist von einer Realveranstaltung kaum zu unterscheiden. Erstaunlich, dass sich diese Plattform bisher nicht stärker durchgesetzt hat – zumindest im deutschsprachigen Raum. In den USA ist das Standing solcher Events etwas besser.
In der Kulturlocation „Kafé KrümelKram“ waren bisher bekannte Autoren wie Karl Olsberg, Michael Marrak, Siegfried Langer, Thomas Thiemeyer, Lea Korte, Ingrid Schmitz, Arno Strobel, Michael Meisheit, Marcus Hammerschmitt und viele andere zu Gast. Viele von ihnen haben bereits weitere Auftritte an Locations wie beispielsweise dem virtuellen Köln, das ebenfalls in Second Life beheimatet ist, absolviert.

Örtlichkeiten an denen man regelmäßig Lesungen, Theaterausstellungen und Comedy erleben kann sind:


BukToms Pegasus Bibliothek, in der man tatsächlich auch eine unglaublich große Menge lesbarer Bücher findet. In diesem Bereich zählt BukTom sicherlich zu den absoluten Pionieren in der virtuellen Welt.

Morlock`s Revenge Pub

Kafé KrümelKram der Literaturgruppe Brennende Buchstaben (die Autoren dieses Artikels)


Berichte von Autoren über ihre Lesungserfahrungen in SecondLife:





von Susanne O´Connell

Berichte über die SecondLife Kulturszene in Blogs :

Bei Was mit Büchern...

Bei Sinn und Verstand...

Bei Meiermeint...


Michael Meisheit, hauptberuflich Drehbuchautor bei der dienstältesten deutschen Familenfernsehserie liest im Fake-Studio aus seiner Persiflage "Soap". 

E.M.Jungmanns Lesung aus der Space Opera "Jenseits von Ninive" stilecht an Bord einer Raumstation. 


"DebuggingYou." Umsetzung einer Kurzgeschichte als Bühnenstück. 
Autor Thomas Thiemeyer liest Science Fiction im Kafé KrümelKram.
Der Berliner Autor Frank Sorge liest humorvolle Texte über die reale Berliner Szene.





Hinter den Kulissen einer SecondLife Lesung.

Theater in SecondLife?

Auch das ist möglich. Noch vor wenigen Monaten präsentierten die Macher im virtuellen Köln sehr erfolgreich ihr Stück „Drachenblues“ nach einer Kurzgeschichte des Autors Frederic Brake. Die Aufführung tingelte von zahlreichen Zuschauern gefeiert über mehrere SIMs in Secondlife. Die Proben zum  Nachfolgestück „Die Traumkugel“ finden bereits wöchentlich statt.
Auch Kabarett und Comedy gibt es in SecondLife. Einer der Autoren dieses Artikels zieht gerade mit seiner Show „Nerdy but lovin it…“ durch SecondLife und OpenSims wie das Metropolis Grid.


Musik in SecondLife?

Es hat sich erstaunlicherweise herum gesprochen, dass es Live Musiker in SecondLife gibt. Man geht natürlich üblicherweise davon aus, dass diese Musiker erstens schlecht oder zweitens nicht tageslichttauglich und deswegen auf die Virtual Reality Bühne fixiert sind. Eines von vielen hervorragenden Gegenbeispielen:
Die Singer-Songwriterin Jordan Reyne. In Second Life ist sie bereits ein Kultstar, tritt aber auch bei großen Festivals im Real Life auf. Ein Video sagt mehr als tausend Worte, hier ein aktuelles:




Jordan Reyne kann man regelässig im wunderbaren Steampunk Pub „Morlock`s Revenge“ erleben. Dort finden ebenfalls regelmäßig Lesungen sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache statt.


Kunst in SecondLife?

Wahrscheinlich die aktivste Guppe innerhalb des Virtuversums. Kunst geht in SL mittlerweile weit darüber hinaus, Gemälde hoch zu laden und auf virtuelle Leinwände zu legen. Die aktuelle Kunstszene bemüht sich, die Möglichkeiten immersiver Darstellungen und Formen voll auszunutzen und auszuweiten.
Eines der glanzvollsten Beispiele nach wie vor Bryn Oh, im realen Leben der kanadische Ölmaler Brynley Longman. Ihre/seine Second-Life-Installation haben es mittlerweile auch in reale Kunstgalerien geschafft. Selbst wenn sie auf einem Monitor ausgestellt werden müssen.
Aber auch hier holt die deutschsprachige Second-Life-Kunstszene auf. Ein Bild davon kann man sich beispielsweise in Asmita Duranjayas Space4Art verschaffen. Selbst Künstlerin bietet sie vielen Kollegen die Möglichkeit, ihre Werke einem größeren Publikum in der virtuellen Welt vorzustellen. Auch in den OpenSims wie Metropolis Grid nimmt Kunst einen immer größeren Raum ein. Gerade erst hat man dort den Summer of Arts und das fünfjährige Jubiläum gefeiert.


(Kollegen, die ich nicht erwähnt habe, mögen mir das verzeihen. Es ist nur im Eifer des Gefechts geschehen , oder weil wir noch nicht zusammen gearbeitet haben und es steckt garantiert keine Absicht dahinter. Ich war etwas in Eile ;-))

Was wir uns wünschen:

Eine gewisse Bereitschaft zum Hinschauen, das Ablegen von Scheuklappen und selektiven Ohrenschützern und sich bewusst zu machen, dass Ignorieren nicht mit Da-ist-nichts-los gleichgesetzt werden darf. Dafür geben wir uns nämlich eine bisschen zu viel Mühe. Der Spaß, den unsere Gäste daran haben – die Vortragenden, wie auch die Zuhörer -, ist es uns allemal wert. Es dürfen aber gern mehr werden.
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