Sonntag, 17. Juni 2012

Hilfreiche Faustregeln für deine erste Lesung...

von Kueperpunk Korhonen

Ganz spontan habe ich mich heute Morgen entschlossen, noch einmal ein paar simple Faustregeln für Schriftsteller aufzustellen, die zu einer Lesung eingeladen worden sind. Diese übersichtlichen Regeln können  nicht nur hilfreich sein für Lesungen bei den Brennenden Buchstaben, sondern generell für alle Arten literarischer Events, egal ob auf virtuellen Plattformen oder der ganz realen Holzbühne.

Regel Nummer  1: Du bist also zu einer Lesung eingeladen worden. Wunderbar. Nutze die Chance und kommuniziere ausführlich mit dem Veranstalter. Erscheine nicht erst 10 Minuten vor der Lesung und frage dann, wie so etwas eigentlich funktioniert. Erst recht nicht, wie du deine vorgefertigte Aufzeichnung jetzt eigentlich ins Internet senden kannst.

Regel Nummer 2: Nutze die Möglichkeit, vorher noch einmal einen Voice-Test zu machen, um sicherzustellen, dass die Übertragung deiner Stimme einwandfrei funktioniert. Auf der realen Bühne entspricht dem ein gewöhnlicher Mikrofoncheck. 

Regel Nummer 3: Wenn dir der Veranstalter der Lesung einen Ehrenplatz auf der Bühne vorbereitet hat, dann setz dich darauf. Bleib nicht am Rand des Geschehens stehen, als wärst du nur Zaungast. Erst recht solltest du dich nicht weigern, das Gebäude, in dem heute DEINE Lesung  stattfindet, überhaupt zu betreten.

Regel Nummer 4:  Wenn du zu einer Lesung eingeladen worden bist, solltest du genug Textmaterial mitbringen, um mindestens 25 Minuten auf der Bühne bestreiten zu können. Ist das nicht der Fall, lass es den Veranstalter wissen. Er wird dich sicher gern unterstützten, indem er beispielsweise einen weiteren Autor einlädt, oder entsprechende Programmpunkte wie ein Interview einbaut.

Regel Nummer 5: Falls deine Lesung doch unerwartet früh endet: Frage deine Publikum NIEMALS, unter GAR KEINEN UMSTÄNDEN – und wir meinen GAR KEINEN  UMSTÄNDEN -, ob es noch Fragen hat. Dein Publikum hat keine Fragen, es erwartet, dass du Fragen stellst UND sie beantwortet. Dein Publikum will unterhalten werden und es will nicht spontan als Moderator deiner Veranstaltung einspringen. Der Veranstalter wird dir in solchen gern Situationen beistehen, siehe dazu aber noch einmal Regel Nummer 4.

Regel Nummer 6:  FRAGE DEIN PUBLIKUM NIEMALS OB ES NOCH FRAGEN HAT!

Regel Nummer 7: Falls der Moderator oder dein Publikum tatsächlich noch Fragen hat, darf man von dir mehr als nur Ein-Wort-Antworten erwarten. Du bist Autor und solltest dazu in der Lage sein. Erinnerungshilfe: Sätze bestehen aus Subjekt, Prädikat und Objekt. Antworten wie „Ja“, „Nein“ oder „Kann ich jetzt gehen?“, könnten dein Publikum veranlassen, sich darüber zu ärgern, seine Zeit mit dir vergeudet zu haben.

Regel Nummer 8: Falls dein Publikum jubelt, dir etwas zuruft, oder mit den Händen rhythmische Klatschgeräusche erzeugt, sei darüber nicht verunsichert. Mit solchen Gesten möchte man dir mitteilen, dass dein Vortrag gefällt.

Regel Nummer 9: Falls du eine besondere Form der Präsentation wünschst, lass es den Veranstalter vor deinem Auftritt wissen, versuche es ihm nicht erst durch mysteriöse Andeutungen zehn Minuten NACH der Veranstaltung mitzuteilen. Wir haben leider nicht mal in SecondLife funktionierende Zeitmaschinen.

Regel Nummer 10: Im Literaturbetrieb gilt: Ein Parkhaus ist ein Haus im Park und keine Tiefgarage!
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