Samstag, 16. Juli 2011

Interview

von Zauselina Rieko

Cordula Bonacker, Vorsitzende von Bitterschlag e.V., hat mit mir ein Interview für werliestwannwo gemacht. Es ist seit heute im Newsletter zu lesen, und ich poste es mal hier für alle, die den Letter noch nicht bekommen.


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CB: Was sind die »Brennenden Buchstaben«?
BB: Die Brennenden Buchstaben sind eine Literaturgruppe, die rein virtuell, d.h. im Internet gegründet wurde – vor etwa drei Jahren. Dazu habe ich mich eines Chats bedient, Second Life. Das Besondere an Second Life ist, dass es eine virtuelle 3D-Umgebung bietet. Anders als in reinen Text-Chats oder Voice-Chats habe ich
hier die Möglichkeit, mich mit meinem Avatar in einer virtuellen Umgebung zu bewegen, wie man es auch von Spielen kennt. Zusätzlich kann ich mich in Echtzeit im
getippten Chat oder per Voice-Chat mit anderen unterhalten. Die Brennenden Buchstaben habe ich gegründet, weil ich in Second Life keine deutschsprachigen Literaturgruppen finden konnte. Ich habe englischsprachige Lesungen besucht, habe auch noch weitere anderssprachige Lesungen entdeckt, aber eben nichts in Deutsch.

CB: Was macht den Reiz von Second-Life-Lesungen
aus?

BB: Von Anfang an hat mich die Idee fasziniert, dass man unabhängig vom Wohnort gemeinsam Kultur erleben kann. Egal wo der Autor/die Autorin lebt, egal wo die Teilnehmer sich befinden – ob in Hamburg und Berlin, oder im Afrikaurlaub – man kann sich verabreden und trifft sich im Chat. Man kann mit dem Autor/der Autorin in direkten Kontakt treten, selber Fragen stellen. Das Ganze ist sehr lebendig. Allerdings haben wir auch schon Virtualität und Realität gemischt: Die Lesung fand irgendwo real statt, wurde gleichzeitig nach Second Life übertragen, am Bildschirm
war Second Life zu sehen mit unseren Avataren, und wir hatten so reales und gleichzeitig virtuelles Publikum.

CB: Auf Eurer Internet-Seite findet man schöne Ankündigungen für Lesungen in virtuellen Cafés wie z.B. das Kafé Krümelkram. Wie funktioniert das? Wie komme ich dorthin?
BB: Second Life ist eine Software, die man kostenlos herunterladen kann. http://secondlife.com/ Man meldet sich mit einem Nicknamen an und kann so völlig anonym bleiben, wenn man das möchte. Wie in anderen virtuellen Spielen gibt es eine Spielumgebung, die man sich erbauen kann. Also auch Literatur-Cafés oder
Kulturkneipen. Für die Brennenden Buchstaben haben wir ein Café erbaut. Dort können sich die Avatare frei bewegen, dorthin kommen dann die vorlesenden Autoren.
Wenn man ein Konto eingerichtet, also sich angemeldet hat, kommt man über diesen Link direkt ins Kafé Krümel-Kram: http://slurl.com/secondlife/Ataria/56/160/23

CB: Wer liest dort was? Gibt es bevorzugte Genres?
BB: Bei uns lesen sowohl bekannte als auch unbekannte Autoren. Wir sind nicht auf ein Genre festgelegt. Lyrik, Science Fiction, Krimi, Grusel, Thriller, Roman, Reiseessay – hatten wir alles schon. Das macht die Sache lebendig, und es spricht immer wieder unterschiedliche Zielgruppen an. Die Besucherzahlen schwanken. Wir hatten vor allem mit Themen-Lesungen wie »Halloween« oder »Weihnachten« gute Erfolge und viele Zuhörer. Im Sommer sind eher weniger Leute online und da haben wir auch schon mit nur einer handvoll Leutchen da gesessen. Lea Korte hat ihren historischen Roman »Die Maurin« vorgestellt. Oliver Buslau hat einen Lokalkrimi – »Der Vampir von Melaten« – vorgestellt. Christian Kathan hat SciFi gelesen. Klaus Ebner war schon mehrmals bei uns, sowohl mit Lyrik, als auch mit einem gesellschaftskritischen Roman und einem Reiseessay. Die Liste lässt sich weiterführen. Als nächstes steht Michael Iwoleit auf dem Programm.

CB: Kann man die Lesungen auch später noch irgendwo hören?
BB: Meistens haben wir die Lesungen nicht aufgezeichnet. Einmal hat Thorsten seine Lesung (»Projekt 38«) aufgezeichnet und dann per Stream abgespielt. Aber für die Zukunft werden wir das vielleicht doch machen. Auf unserem Blog findet man immer die aktuellen Termine und auch Rückblicke vergangener Lesungen: http://brennendebuchstaben. blogspot.com/
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