Samstag, 26. September 2009

Videocracy - Filmempfehlung

von Zauselina Rieko



Videokratie - das ist die neue Regierungsform etabliert durch den italienischen Unternehmer, studierten Jurist, Medienpapst, ehemaligen Außen-, Wirtschafts- und Gesundheitsminister und heutigen Ministerpräsidenten Italiens Silvio Berlusconi. Der 73-Jährige mit dem medientauglichen strahlenden Aussehen eines Mittvierzigers weiß sich in Szene zu setzen. Aber er weiß auch, Szenen zu schaffen. Schon 1972 konnte er einen lokalen Privatsender sein Eigen nennen. Die Ausstrahlung via Privatsender war allerdings damals in Italien noch nicht erlaubt.

Heute kontrolliert Berlusconi 90 Prozent des italienischen Fernsehens, weil er Anteile am staatlichen Sender RAI ebenso besitzt wie am Privatsender Mediaset. 60 Prozent des Werbeanteils im italienischen Fernsehen kann Berlusconi kontrollieren.

Der Film "Videocracy" von Eric Gandini, in Schweden gedreht, befasst sich kritisch mit den Hintergründen des italienischen Fernsehens und seiner Machtverflechtung mit der Politik. Frauen werden im italienischen Fernsehen bevorzugt nackt oder halbnackt dargestellt. Chancengleichheit und Emanzipation sind in Italien entsprechend unterentwickelt. Frauen, die an Misswahlen und Nacktaufnahmen teilgenommen haben, können in der Politik Karriere machen.

Die RAI weigerte sich, Werbung für den Film auszustrahlen. Auf den Filmferstspielen in Vendig vom 2. bis 12. September konnte sich der Regisseur von "Videocracy" trotzdem über hohe Besucherzahlen freuen.
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