Donnerstag, 24. September 2009

"Kevin ist kein Name sondern eine Diagnose"

von Zauselina Rieko

An der Universität Oldenburg wurde jetzt eine Studie zu den häufigsten deutschen Vornamen erhoben. Dabei wurde eine Art Hitliste der 10 vorteilhaftesten und der 10 unvorteilhaftesten jeweils weiblichen und männlichen Vornamen aus den 20 beliebtesten erstellt.

Ergebnis:
Bestimmte Namen lassen sich bestimmten sozialen Schichten zuordnen.

Fazit:
Lehrer/innen behandeln Kinder unterschiedlich, weil sie sie aufgrund des Namens einer Schicht zuordnen, sodass bestimmte Namensträger schlechtere Bildungschancen hätten.

Dass "Mandy" und "Chantal" beziehungsweise "Kevin" und "Rico" einer anderen Schicht zugeordnet werden als "Charlotte" und "Sophie" oder "Maximilian" und "Paul" ist schon lange ein offenes Geheimnis. Die Frage ist aber, ob Kevin & Co schlechtere Bildungschancen haben, weil Lehrer/innen Vorurteile hegen oder weil Unterschichten-Eltern generell keine Vorliebe für den Namen "Paul" haben.
Anders herum: Versagt Kevin in der Schule, weil der Lehrer ihn als Unterschichten-Kind einstuft und ihn deshalb nicht fördert? Oder scheitert Kevin in der Schule, weil er einem Elternhaus angehört, das seinen Kindern zur Freizeitbeschäftigung eher die Glotze anbietet als Bücher?

Wäre das Fazit ein anderes, wenn man gefragt hätte: Was verknüpfen Menschen unbewusst mit bestimmten Namen? Lassen sich psychologisch begründbare Motive für die Namensgebung finden? Assoziiert man beispielsweise mit "Paul" eine intellektuelle Persönlichkeit und wird der Name deshalb lieber von gebildeten Eltern für ihren Sohn gewählt, die dann ihren Paul aber aufgrund des eigenen Bildungsstatus besser fördern können? Seit dem Film "Kevin allein zu Haus" wird der Name sicherlich mit Draufgängertum und Neugier assoziiert. Eigenschaften, die sich vielleicht Eltern für ihr Kind wünschen, es dann aber (ungewollt oder nicht) zu unangepasstem Verhalten in Kindergarten und Schule anregen.

Die Wahrhaftigkeit von solchen Untersuchungen in allen Ehren, aber das Fazit, das daraus gezogen wird, sollte kritisch überdacht werden.

http://www.kinderforschung.uni-oldenburg.de/36968.html
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