Sonntag, 27. September 2009

Brandmal - Russell

von Zauselina Rieko

Der Hamburger Ermittler Jan Fabel muss einen Fall lösen, der scheinabr aus einer 1600 Jahre zurück liegenden Vergangenheit in die heutige Zeit teleportiert wurde. Eine Mumie, Moorleiche, mit feuerroten Haaren, ist vermutlich Opfer einer rituellen Tötung.

1986 kommt bei einem Schusswechsel mit der Polizei ein Terrorist ums Leben. Der Rote Franz. Er hat ebenfalls feuerrote Haare. Der Spitzname bezieht sich sowohl auf die Haare als auch auf die politische Gesinnung.

Zurück im Jahr 2005: Ein Serientäter mordet in Hamburg Männer. Von den Medien wird er bald der "Hamburger Haarschneider" genannt, weil er die Opfer skalpiert und dazu den Skalp noch feuerrot färbt. Am Tatort hinterlässt er immer ein einzelnes rotes Haar. Dass er es tatsächlich hinterlässt und nicht verliert, stellt sich heraus, als es am Fundort jeder neuen Leiche immer exakt ein Haar ist, das die Polizei findet. Laboruntersuchungen ergeben zwar, dass es kein kürzlich ausgefallenes Haar ist, aber mehrere tausend Jahre ist es auch nicht alt. Es ist etwa 30 Jahre alt. Damit führt diese Spur auch in die Vergangenheit, wenngleich eher in die der BRD und des RAF-Terrosismus.

Die Fälle werden damit nicht weniger kompliziert. Jemand gibt sich große Mühe, die Öffentlichkeit glauben zu machen, eine uralte Mumie sei auferstanden um zu morden. Die Reinkarnation jener Mumie, der Rote Franz und der Serienmörder, sollen ein und dieselbe Person sein. Ein Fall mit terroristischem Hintergrund aus den 70er jahren muss neu aufgerollt werden. Es kristallisiert sich heraus, dass die Opfer über jenen Fall mit dem erschossenen Terroristen miteinander in Verbindung standen.

Es taucht noch eine Mumie auf. Die ist aber nur 60 Jahre alt und hat mit dem Angriff der Briten auf Hamburg zu tun. Umgekommen während eines großen Brandes gibt dieser gut erhaltene Tote, als Junge zu ewiger Jugend konserviert, weitere Rätsel auf.

Der Brite Craig Russell hat lange in Hamburg gelebt und bietet detailgetreue Beschreibungen der Gegend. Die Figuren werden als überarbeitete, menschlich nicht unfehlbare, teilweise traumatisierte Personen gezeichnet, ohne dass dadurch von den eigentlichen Handlungsfäden abgelenkt würde. Nicht nur die reine Recherche der Polizei ist bedeutsam, auch das Geschichtswissen des Kommissar Fabel - studierter Historiker - kommt zum Einsatz. Die kurzen Ausflüge ins Mystische bekommen dadurch immer eine wissenschaftliche Basis.

Der Band basiert auf den zwei Vorgängern "Blutadler" und "Wolfsfährte". Dort begonnene Handlungsfäden, die sich auf die Leben der Figuren auswirken, werden in "Brandmal" aufgenommen. Aber auch ohne die zwei Bände gelesen zu haben, ist die Geschichte in "Brandmal" gut zu verstehen.

Spannend geschrieben. Sprachlich gut gemacht. Überrraschendes Ende.

Russells Homepage http://www.craigrussell.com/ (Deutsche Übersetzung verfügbar)
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