Freitag, 14. August 2009

John Katzenbach – Das Opfer


Inhalt
Die Studentin Ashley lernt einen jungen Mann kennen, Michael O´Conell, verbringt eine Nacht mit ihm, dann ist die Beziehung für sie beendet.
Aber nicht für ihn.
In obsessiver Leidenschaft beginnt er, Ashley mit Liebesbeteuerungen zu belästigen. Da sie aber keine Beziehung zu ihm möchte, wird er zum Stalker, belästigt sie, bereitet ihr Schwierigkeiten. Ashley trifft sich mit jemand anderem. O´Conell beobachtet sie, als sie den anderen Mann zum Abschied küsst. Wutentbrannt stellt O´Conell dem Mann nach. Unerkannt schlägt er ihn so nieder, dass dieser daraufhin nach einer schweren Kopfverletzung im Rollstuhl sitzt. Ashley weiß davon nichts, wundert sich nur, dass ihre neue Verabredung sich nicht mehr meldet.
Das Psychogramm von O´Conell ist beängstigend: Er hat Spaß daran, Leute in Angst zu versetzen, dabei arbeitet er oft mit subtiler Bedrohung wie Anstarren, aber auch Verfolgung in dunkeln Straßen, ohne dass er wirklich zu sehen wäre. Auch davon ahnt Ashley noch nichts. Sie aktiviert inzwischen ihre Familie, ihr zu helfen. Ihr Vater trifft sich mit O´Conell und bietet ihm Geld, wenn er aus Ashleys Leben verschwindet. O´Conell nimmt zwar das Geld, aber der Leser ahnt schon, dass er nicht verschwinden wird.
Stattdessen verfällt er darauf, Ashleys Familie, die für ihn der Wall ist, der ihn von seiner Geliebten abhält, zu belästigen. Er konstruiert rufschädigende Verleumdungen, die er übers Internet verbreitet, die er auch im Bekanntenkreis und beruflichen Umfeld streut. Ein engagierter Privatdetektiv muss sterben. O´Conell entdeckt ihn vor seinem Haus. Den Mord kann er aber so kaschieren, dass die Polizei keine Spur zu ihm zurückverfolgen kann.
Das Netz der Bedrohungen zieht sich immer enger um Ashley zusammen. Da entwickelt ihre Familie einen systematischen Plan.

Figuren
Katzenbach verwendet sehr viele Zeilen darauf, die Figuren und deren Beziehungen zueinander zu entwerfen. Da keine Figur besonders interessant ist, wird das Lesen mühselig. Erst ab etwa der Hälfte des Romans gewinnt die Geschichte an Fahrt, denn da sind die Charaktere ausgearbeitet und die Handlung steht mehr im Vordergrund.
Allerdings muss man die Beziehungen der Familienmitglieder kennen, damit das gemeinsame Vorgehen schlüssig wirkt. Auch für das nur teilweise Happyend sind ausgearbeitete Figuren unerlässlich.

Erzählweise/Bewertung
Die Hautkapitel der Romanhandlung haben kurze Zwischenkapitel. Ein Ich-Erzähler stellt verschiedenen Personen, die irgendwie mit O´Conell zu tun hatten, Fragen. Wer der Ich-Erzähler ist, wird erst gegen Ende der Geschichte aufklärt. Für das Verständnis der Handlung sind die Zwischenkapitel nicht notwendig. Katzenbach ging es wohl darum, das Phänomen Stalking zu erläutern. Meiner Meinung nach blähen diese Zwischenkapitel den Text unnötig auf. Wenn man die erste Hälfte mit Lesen durchgehalten hat, ist es dennoch eine spannende Geschichte. Durchaus sehr lesenswert.
Nicht ganz schlüssig wirkt für mich das Bedrohliche in O´Conells Gebaren, wenn die Hauptfiguren nichts von den Bösartigkeiten mitbekommen. Teilweise erfährt nur der Leser, welche kriminellen Handlungen O´Conell im Hintergund begeht, nicht aber die Romanfiguren. Die Spannung steigert sich dadurch zwar, aber es ist nicht immer logisch, dass sich auch die Angst der Leute steigert, die in O´Conells Visier geraten sind.
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